Ferienwohnungen in Oberstdorf im Allgäu

Ablasshandel in Oberstdorf

Die päpstliche Erfindung, Sündenvergebung zu verkaufen, hielt auch in Oberstdorf allmählich Einzug. Was für Luther ein unchristlicher Kuhhandel war, ist für Oberstdorf insgesamt dreimal in unterschiedlich starker Ausprägung dokumentiert. Obwohl die Bibel Vergebung allein durch Glauben an Jesus Christus verspricht und somit Vergebung zur Herzensangelegenheit macht, brachte die römische Kurie das Produkt der Ablassbriefe auf den Markt und machte damit offensichtlich gute Geschäfte.

Die Oberstdorfer Ablassbriefe lassen eine Tendenz der Materialisierung erkennen. Die Bedeutung von Buße und Reue für Sündenvergebung scheint nachzulassen, das Gewicht der formalen Kriterien Beichte, Gottesdienstbesuche sowie Werke und Spenden zugunsten der Kirche scheint zuzunehmen.

Auch entfremden sich die Verfasser der Ablässe im Laufe der Jahre von Oberstdorf. Im ersten Ablass beschreiben die Verfasser ihre Werke zugunsten der örtlichen Pfarrkirche, in den folgenden Ablässen ist die Oberstdorfer Kirche nur noch eine Randnotiz wert. Während nach den ersten Ablässen Geld und Arbeit noch in die eigene örtliche Kirche fließen sollten, ist im letzten Ablass aus dem Jahr 1473 völlig unklar, wohin das Geld geht...

Der erste Ablassbrief, der auf Oberstdorf zugeschrieben wurde, stammt aus dem Jahr 1419. Ein Bischof Wilhelm von Camacha in Griechenland und der Generalvikar der Diözese Augsburg, "Herr Anshelm", sind die Aussteller dieses ersten Ablasses.

Der Brief beginnt mit einem sich auf die Schulter Klopfen der Verfasser. Sie hätten 1419 die Pfarrkirche St. Johannes Baptista in Oberstdorf sowie vier darin befindliche Altare geweiht: den Hochaltar zu Ehren des Heiligen Johannes des Täufers und des Evangelisten, der Heiligen Petrus und Paulus; den Altar zu Ehren der Heiligen Agnes und aller Heiligen; den Altar zu Ehren der seligen Jungfrau Maria, Barbara, Agathe, Katharina, Margaretha, Dorothea, aller Jungfrauen und der 11.000 Jungfrauen; den Altar zu Ehren des Heiligen Kreuzes, des Christophorus und des Heiligen Leonhard.

Die Verfasser wünschen sich reichlich Besuch und Verehrung für Altäre und Kirche. Und versprechen nun ein bisschen Vergebung: "denen, die wahrhaft Reue empfinden, bekennen und zerknirscht sind, die auch die erwähnte Kirche und ihre Altäre... besuchen, denen die zum Zwecke der Verehrung, Anbetung oder Wallfahrt hier zusammenströmen oder irgendwelchen Gottesdiensten beiwohnen oder bei der baulichen Erhaltung der besagten Kirche und ihrer Altäre, zum Schmuck, zu den Altarkerzen und zu anderen notwendigen Dingen behilflich waren oder zu demselben Zweck andere Werke aus christlicher Liebe geleistet, gestiftet oder vermacht haben..., denen erlassen wir durch das Erbarmen des allmächtigen Gottes und im Glauben an die Macht seiner seligen Apostel Petrus und Paulus 40 Tage für Todsünden und ein Jahr für lässliche Sünden von der ihnen auferlegten Buße voll Erbarmen in dem Herrn."

Nach oben Gesagtem scheint die kirchliche Teil-Sündenvergebung den Reumütigen, den Kirchen- und Gottesdienstbesuchern sowie auch den Kirchenspendern zuzustehen. Vergebung scheint nicht nur eine Frage des Geldes zu sein, sondern auch noch des Charakters (Reue).

Im zweiten Ablass aus dem Jahre 1453 aus der Feder des Johannes Lauch, Sekretär des Kardinalpriesters Petrus mit dem Titel Heiliger Vitalis, ist die kirchliche Vergebung ebenfalls keine reine Geldsache. Es soll für jeden in dem Schreiben aufgezählten Festtag "100 Tage Ablass von der ihnen auferlegten Buße geben" für die Gläubigen, die "wahrhaft Buße tun und gebeichtet haben", an bestimmten Feiertagen die Pfarrkirche zu Oberstdorf "andächtig besuchen und zur Ausbesserung, Erhaltung des Kirchengebäudes, der Kelche, der liturgischen Bücher und der anderen für den dortigen Gottesdienst notwendige Zierstücke hilfreiche Hand anlegen"...

Während im ersten Ablass Reue noch unabhängig von guten Werken Vergebung bewirken sollte, scheint 34 Jahre später Buße allein nicht mehr auszureichen. Nur wenn regelmäßige Gottesdienstbesuche und Kirchenspenden die Buße aufstocken, scheint kirchliche Vergebung gewährt zu werden.

Im dritten Ablass aus dem Jahr 1473 bestätigt sich diese Tendenz. Es soll nur Vergebung geben, wenn die Bedingungen "reumütige Beichte", Gottesdienstbesuche und Spende allesamt erfüllt werden. Verfasser dieses Ablasses sind unter anderen ein "Priester Angelus beim hl. Kreuz in Jerusalem sowie weitere Kardinäle mit phantasiereichen Titeln wie etwa: "Julianus beim hl. Petrus im Kerker und die Diakone unter den Sieben Besonderen...". Diese ehrwürdigen Herren versprechen nun folgendermaßen eine teilweise Sündenvergebung: "Im Vertrauen auf die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes und auf die Gewalt und das Ansehen seiner hl. Apostel Petrus und Paulus erteilen wir obengenannte Kardinäle allen und jeglichen Christgläubigen beiderlei Geschlechts nach wahrhaft reumütiger Beicht alljährlich, wenn sie die genannte Kirche (die Pfarrkirche des hl. Johannes des Täufers und der hl. Jungfrau Agnes in "Oberscorff") an den Festtagen des hl. Apostels und Evangelisten Johannes, der Heiligen Jakobus und Philippus, des hl. Martinus, am Ostermontag und am Weihetag der Kirche selbst von der ersten bis zur zweiten Vesper einschließlich in frommer Meinung besuchen und zu dem angeführten Zweck ihre mildtätige Hand gereicht haben, für jeden einzelnen Festtag, an dem sie das getan, Nachlass von hundert Tagen von ihrer auferlegten Buße..."

Quelle: Heinrich Bernhard Zirkel, Geschichte des Marktes Oberstdorf (Teil 1), neu bearbeitet von Dr. Thaddäus Steiner unter Mitwirkung von Werner Grundmann, Oberstdorf 1978, S. 204ff.

ALPENLAND
Im Haslach 5
87561 Oberstdorf / Allgäu
Tel.: 08322 2273
Mobil: 0171 4573557
Email-Kontakt