Ferienwohnungen in Oberstdorf im Allgäu

Die Schweiz im Kleinen oder die Anfänge des Tourismus in Oberstdorf

Im Anfang war das Wort. Dies gilt nicht nur für die biblische Schöpfungsgeschichte, sondern auch für den Oberstdorfer Tourismus. Bevor in- und ausländische Besucher Oberstdorfs eine neue Einnahmequelle für die einheimische Bevölkerung darstellen konnten, musste ein positives Bild von Oberstdorf in die Köpfe potenzieller Gäste eindringen. Einen großen Beitrag dazu leisteten ein Arzt und ein Pfarrer, die schon damals die Stützen der Gesellschaft waren. Politisch lagen die beiden Autoren über Kreuz, doch die Liebe zur Oberstdorfer Bergwelt und das Schwärmen über Oberstdorf als Schweizer Idylle vereinte die beiden Charakterköpfe über alle politischen und weltanschaulichen Gegensätze hinweg.

Pionierarbeit leistete der katholische Pfarrer Johann Nepomuk Stützle. Dieser zog 1845 zu, musste Oberstdorf jedoch schon 1849 fast fluchtartig verlassen. Während der März-Revolution 1848 hatte der Pfarrer entschieden gegen die demokratische bürgerliche Revolution gekämpft und war schließlich mit vielen Oberstdorfern verfeindet. Der entschiedenste politische Gegner war der praktische Arzt Dr. Joseph Groß. Die Empörung über den Pfarrer entlud sich sogar in kriminellen Handlungen. Es wird über Schüsse auf das Pfarrhaus berichtet. Dr. Groß mutmaßte jedoch, dass die Schüsse vom Pfarrer selbst bestellt worden seien.

Trost fand der Pfarrer wohl in der Schönheit der Natur und der Bergwelt, die er erwanderte. 1848 veröffentlichte er ein Büchlein unter dem Titel:"Die katholische Pfarrei Oberstdorf im Landgericht Sonthofen oder die Schweiz im Kleinen." Der geistliche Autor beschreibt den Ort, Berge und Täler sowie Weiden und Wasserquellen, beklagt jedoch auch einen moralischen Sittenverfall, der aus der Öffnung nach draußen in die weite Welt resultiere. Schon damals wurde dieser angebliche moralische Niedergang an neumodischer Bekleidung festgemacht. Textiler Kulturpessimismus ist also nichts Neues.

"Die katholische Pfarrei Oberstdorf ist wohl die größte und schönste Pfarrei des gesamten schönen Bayernlandes, wenn man den Flächenraum und die Naturschönheiten in ihr berücksichtigt. Ja, man kann das Pfarrgebiet Oberstdorf mit Recht die Schweiz im Kleinen nennen", so der Pfarrer im Vorwort der Druckschrift, die sich als Liebeserklärung an Oberstdorf darstellt.

Aber auch der Demokrat und politische Gegenspieler von Stützle, Dr. Groß, veröffentlichte einen Führer über die "Die Allgäuer Alpen bei Oberstdorf und Sonthofen". Und auch hier findet sich ein Vergleich zur Schweiz.

Den werbenden Worten sollten schon bald die Gäste folgen. Bei 2000 Einwohnern zählte man 313 Häuser. 30 dieser Häuser beherbergten bereits eine Ferienwohnung. Das Gästebuch des Hauses Färbe dokumentiert seit 1854 das Kommen und Gehen seiner Gäste, die oft über Monate blieben.

Darin verglich die Malerin und Dichterin Hermione Freiin von Preuschen-Telman Oberstdorf mit Banff in den Rocky Mountains. Weitere Gäste in der Färbe waren der Orientalist und Philosophieprofessor Paul Anton de Lagarde aus Göttingen und der Maler Wilhelm Steinhausen aus Frankfurt.

Charakteristisch für diese ersten Touristen Oberstdorfs waren finanzielle Schwerkraft und oder eine hohe Stellung in Staat und Kirche Die Finanzkraft der wohlhabenden männlichen Gäste strahlte wohl auch in die Damenwelt aus, die sich von den wohlhabenden Bürgern und hohen Beamten sicher nicht ohne Gegenleistung haushalten ließen. So schrieb 1888 eine unbekannte Dame in ein Gästebuch: "Ach, der Mann hat keinen Titel, doch zum Glück hat er die Mittel, dass die Zech er zahlen kann."

Aus: Geschichte des Marktes Oberstdorf von Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Teil 4, 1976.

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