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Verfolgung von Christen in Oberstdorf

Die Reformation fand auch in Oberstdorf Widerhall. Martin Luther entdeckte die Bibel neu, die so genannten Wiedertäufer lasen auch darin und wollten Worten praktische Taten folgen lassen. So lehnten sie die so genannte Kindstaufe ab, weil sie wie Johannes der Täufer in der Bibel die Taufe als persönliche Gewissensentscheidung zur Umkehr verstanden.

Doch persönliche Gewissensentscheidungen und religiöse oder politische Freiheit passten nicht in die damalige Zeit. "Cuius regio, eius religio", d.h. der Fürst oder der Besitzer eines Landstrichs bestimmte die Religion seiner Untertanen. Die Verfolger der Wiedertäufer erkannten klar: Wer sich frei für Gott oder gegen Gott entscheiden wollte, der würde auch über seinen weltlichen Herrscher entscheiden wollen. Deutschland ist eben nicht das Mutterland der Demokratie und Freiheit. Daher die Kindstaufe als fremder Willensakt statt der persönlichen Gewissensentscheidung.

Schon 1528 erließ Kaiser Karl V. die Vorschrift, wonach Wiedertäufer zum Tode zu verurteilen waren.

In Oberstdorf muss es mindestens 32 Wiedertäufer-Familien gegeben haben. Diese hatten ihrem Glauben abgeschworen und waren daher mit dem Leben davongekommen. Sie mussten jedoch eine Geldstrafe zugunsten des Spitals in Sonthofen leisten. Diese Strafe war vererbbar und selbst 1767, also über 200 Jahre später, mussten die Erben oder Käufer der Anwesen der ehemaligen Wiedertäufer noch bezahlen. Die Namen der Oberstdorfer Wiedertäufer sind nicht bekannt.

Wer nicht seinem Glauben abschwor, konnte keine Gnade erwarten so wie Hanns Puchenberg aus Wagneritz oder Hans Hüebeler. Letzterer wurde ohne Prozess nur unter Berufung auf das kaiserliche Edikt verurteilt, da er sich weigerte abzuschwören.

Hanns Puchenberg erhielt immerhin ein formales Gerichtsverfahren, das ein Todesurteil hervorbrachte, weil der Beschuldigte auf seinem Glauben beharrte: "Dieweil der Arme seine Übeltaten wissentlich bekannt hat und die verlesene kaiserliche Freiheit klärlich dartut, dass ein jeder Übeltäter auf seinen geständigen Mund verurteilt werden soll, so spreche ich auf meinen geschworenen Eid vermöge der Freiheit, dass dieser Arme wegen seines Geständnisses und seiner bekannten Übeltaten besser tot denn lebendig sei. Darum soll ihn der Henker hinaus zu dem Hochgericht führen und ihn dort mit dem Strick richten, bis dass er vom Leben zum Tod kommt."

(Geschichte des Marktes Oberstdorf von Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Teil 3, 1976, 75ff.)

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