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Der Große Brand von Oberstdorf

Nach einer sechswöchigen Trockenperiode brach am 6. Mai 1865 im Norden von Oberstdorf ein Feuer aus. Leider stand der Wind sehr ungünstig und trieb von Norden her kommend die entstandene Feuerwalze bis zum Unteren Markt. Die Hälfte des Dorfes war den Flammen zum Opfer gefallen. Um 5:10 morgens blieb die Uhr des brennenden Kirchturms stehen. Der Wind blies Asche bis auf die Berggipfel. Menschenleben waren glücklicherweise nicht zu beklagen. Doch die Hälfte der Bevölkerung war obdachlos geworden. Es herrschte bittere Not. Noch am Tag des Brandes schickten der Löwenwirt und der Kreuzwirt aus Fischen Brot und Bier nach Oberstdorf. Die Not machte jedoch systematische Hifsmaßnahmen erforderlich.

Ein so genanntes Hilfscomité wurde gegründet. Dieses verfasste den folgenden Aufruf zur Veröffentlichung in Sonthofen und Immenstadt:

"Aufruf!

Ein furchtbares Brandunglück hat den Markt Oberstdorf im kgl. Bezirksamt Sonthofen heimgesucht. Am 6. Mai 2 1/2 Uhr brach Feuer aus, welches innerhalb 5 Stunden von den 316 Wohnhäusern 146 in Asche legte. Einhundertsechsundsiebzig Familien sind obdachlos. Wenige retteten mehr als das nackte Leben. Die Not ist übergroß. Da sämtliche Wirte, Bäcker und Krämer abgebrannt, fehlen selbst die Lebensmittel.

Das unterzeichnete Comité stellt daher an alle Menschenfreunde die Bitte um Unterstützungsbeiträge, um Naturalien oder was immer, um so eine große Zahl von in höchste Not geratenen Familien unterstützen zu können, und ist bereit, jegliche Unterstützung in Empfang zu nehmen und nach Bedürfnis zu verteilen.

Alle Zeitungsredaktionen werden gebeten, diesen Aufruf zur Hilfe in die Spalten ihrer Blätter gefälligst aufzunehmen.

Oberstdorf, den 8.Mai 1865

Unterzeichnet von Pfarrer Heller, Vorsteher Dünßer, Dr. med. Buchta, Forstwart Schwarzkopf, J.A. Blattner, J. Schraudolph, A. Übelhör, J. Zobel, Schriftführer Geiger.

Die Solidarität der Betroffenen verwandelte sich bald in eine Jagd nach dem Sündenbock. Zigeuner, Landstreicher und der "böse Nachbar" wurden verdächtigt. Franz Schratt, in dessen Haus das Feuer seinen Ausgang nahm, wurde ebenfalls der Brandstiftung beschuldigt. Grund für den Rufmord: sein Haus war besser versichert als das anderer. Ein Helfer aus Tiefenbach wurde der Plünderei beschuldigt, was gerichtlich widerlegt wurde.

Die polizeilichen Ermittlungen konnten ebenfalls keine Brandstiftung nachweisen.

So schrieb am Tag nach dem Brand die örtliche Polizei:

"Königliches Bezirksamt Sonthofen! Oberstdorf, den 7. Mai 1865

Der Unterzeichnete bringt hiermit dienstlich zur Anzeige, dass gestern Früh 2 1/2 Uhr in der Küche des Bauern Franz Schratt von Oberstdorf Gerichts Sonthofen Feuer ausbrach, welches bei dem leichten Nordwinde so rasch um sich griff, dass schon Morgens 7 Uhr 156 Häuser und Städel ein Raub der Flammen waren.

Menschenleben gingen hierbei nicht verloren, dagegen kamen aber ein Roß, 8 Schweine, 10 Kälber, 8 Ziegen und Circa 20 Schafe in den Flammen um. Der Schaden, welcher durch das Feuer verursacht wurde, kann bei dem großen Umfange, den dasselbe hatte, bis zur Zeit nicht genau angegeben werden.

Die Ursache der Entstehung dieses Feuers ist zur Zeit noch unbekannt, wird aber im allgemeinen Fahrlässigkeit als Ursache bezeichnet, indem in der kritischen Nacht in der Küche des Franz Schratt gelaugt (Wäsche gewaschen) worden sein soll, was jedoch von der Schratt´schen Familie in Abrede gestellt wird. - Soviel ist jedoch gewiss, dass das Feuer in der Küche ausbrach und sich durch das Küchenfenster dem übrigen Gebäude mittheilte, was Unterzeichneter, der der erste auf der Brandstätte war, selbst mitangesehen hat, und, dass er vor Ausbruch des Brandes schon Licht durch das Küchenfenster gesehen hat.

Mit schuldigster Verehrung empfiehlt sich

Georg Sanetsfried Stationskommandant"

Aus: Geschichte des Marktes Oberstdorf von Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Teil 4, 1976.

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