Ferienwohnungen in Oberstdorf im Allgäu

Ein Oberstdorfer Revolutionär

Am 2. April 1605 versammelten sich Bauern bei Agathazell auf dem so genannten Rebellionshügel. Sie protestierten gegen immer höhere Abgaben und Dienste, die für die Obrigkeit zu leisten waren.

In der Folge kam es zu Unruhen und Angriffen gegen Soldaten des Bischofs. Der Bischof verbündete sich mit Herzog Maximilian und drohte mit militärischer Gewalt. Die aufständischen Bauern erkannten ihre aussichtslose Lage und ergaben sich. Sie mussten ein hartes Friedensdiktat akzeptieren und Strafsteuern bezahlen.

In den folgenden 20 Jahren verfolgte die Obrigkeit die schuldigen Bauernführer. Darunter waren mehrheitlich Oberstdorfer und zwar: Rudolf Steder, Hanns Brackh, Conrat Brackh, Georg Erb, Thoma Gerstlin, Andreas Hindelang, Hannß Walch, Hannß Hueber, Conradt Vogler, Matheuß Erb und Hanns Schrautolf. Diese wurden verhaftet, aber bald wieder freigelassen.

Hans Brack ließ sich offensichtlich nicht einschüchtern und wählte nun den Weg der Beschwerden und gerichtlichen Klagen, um gegen den Bischof und dessen Personal zu rebellieren.

Der Landamman von Sonthofen ließ Hans Brack im April 1608 erneut verhaften. Dieser hatte sich zuvor über Oberstdorfer Beamte beschwert. Dann folgte die Ausweisung von Brack aus dem Herrschaftsbereich des Bischofs. Brack hielt sich dann im evangelischen Kempten auf. Doch auch dort wurde er verhaftet und wieder nach Sonthofen überführt. Im Sonthofener Rathaus lag der Gefangene in Ketten. Am 19. Dezember 1610 gelang Brack die Flucht. Sein Bewacher Seneca Claus war zum Abendessen nach Hause gegangen. Er konnte die Ketten "abreiben", das Schloss aufbrechen und durch ein kleines Fenster im Rathaus schlüpfen.

Die Verfolger vermuteten, dass Brack nach Oberstdorf in sein Haus zurückgekehrt war und veranlassten daher eine Hausdurchsuchung. Vergeblich. Dafür wurde er enteignet und sein Vermögen konfisziert. Auf Antrag der Familie wurde diese Entscheidung jedoch rückgängig gemacht und man begnügte sich damit, dass die Familie von Hans Brack die Haftkosten in jährlichen Raten abzahlte.

Anna Burgerin, die Ehefrau von Brack, reichte 1613 einen Begnadigungsantrag für ihren Mann ein. Doch sie erreichte das Gegenteil damit. Ein neuer Haftbefehl wurde ausgestellt. Obwohl Brack sich jahrelang heimlich und später sogar offen in Oberstdorf aufhielt, galt er offiziell als untergetaucht. Erst als er beim Reichskammergericht in Speyer den Bischof verklagte, kam wieder Bewegung in die Suche nach Hans Brack. Prompt wurde er 1620 wieder verhaftet und in Sonthofen eingesperrt.

Damit verlieren sich die Informationen über Hans Brack. Möglicherweise musste er sich wie Bader Huber aus Oberstdorf zu einem zehnjährigen Militärdienst in Ungarn gegen die Türken verpflichten, was gleichbedeutend mit einem Todesurteil war.

(Geschichte des Marktes Oberstdorf von Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Teil 2, 1974)

ALPENLAND
Im Haslach 5
87561 Oberstdorf / Allgäu
Tel.: 08322 2273
Mobil: 0171 4573557
Email-Kontakt