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Hosenjagd: Die polizeiliche Verfolgung von Hosenträgerinnen

Wer sich auf eine revolutionär andere Mode einlässt und sich ganz anders kleidet als die Mehrheit, erntet oft Kritik und bekommt Verfolgung zu spüren. Die Frauen in vielen islamischen Ländern können wahrscheinlich ein Lied davon singen. Die neue Mode wird als Ausdruck sittlichen und kulturellen Verfalls gedeutet. Die Kritiker wähnen sich auf der Seite von Sitte, Moral und Kultur, während die mutigen Trägerinnen und Träger neuer Kleidungsformen als Feinde eben dieser Moral dargestellt werden.

Vor einigen Jahrzehnten noch galten Jeans und Sneakers oder der Bikini als schlampig. Heute ist der Hals des Mannes umkämpft. Krawattenfreiheit gilt in manchen Bereichen noch als respektlos. Vor knapp 100 Jahren galt die Hose als solche als Ausdruck von Sittenlosigkeit und moralischem Verfall, vorausgesetzt die Hose wurde von Frauen getragen.

Natürlich trug sich dieser Kulturkampf auch auf den Straßen von Oberstdorf zu. Obwohl Deutschland erst kürzlich eine Republik geworden war, den Kaiser ins Exil verjagt hatte und frei und allgemein wählte, wurden Hosenträgerinnen polizeilich verfolgt. Vielleicht war man aber auch nur in Bayern etwas eigen.

Am 20. Februar 1920 sprach die Oberstdorfer Polizei einen Platzverweis für Hosenträgerinnen aus und drohte mit Strafen:

"In letzter Zeit sind häufig Damen auf den Ortstraßen sowie in Cafés und Hotels in Hosentrachten zu sehen, die nach Schnitt und Farbe allem Anstande Hohn spotten und augenblicklich nichts weniger als zur Sportausübung bestimmt sind. Ein derartiges Auftreten ruft Erregung der anständig gesinnten einheimischen Bevölkerung hervor, weshalb das Hosentragen des weiblichen Teiles der Fremden innerhalb des Ortes nicht weiter geduldet werden kann, da auch die jetzige ernste Zeit dazu nicht angetan ist. Anstoß wird nicht genommen werden, wenn Damen beim Sport auf dem Wege hinzu entsprechende Beinkleider tragen. Die Schutzmannschaft ist angewiesen, Damen in Hosentrachten zu stellen und wegen groben Unfugs zur Strafanzeige zu bringen. Außerdem werden fremde Damen durch dieses Verhalten auf Grund ministerieller Bestimmungen sofort vom Orte verwiesen."

Aus: Geschichte des Marktes Oberstdorf von Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Teil 4, 1976.

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