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Der Fall eines Oberstdorfer Hirten

Die so genannte Hexenverfolgung zog auch durch Oberstdorf ihre blutige Spur. Verdächtigen wurde vorgeworfen, sie stünden mit dem Teufel im Bunde und würden mit dessen Hilfe Übernatürliches vollbringen und Sünden begehen. Die Verdächtigen wurden mehrmals verhört und der Druck, im Sinne der Anklage zu gestehen, wurde durch die Androhung von Folter und tatsächliche Folter schrittweise erhöht.

Konrad Stöcklin, ein Hirte aus Oberstdorf, wurde auf Anordnung des Bischofs von Augsburg am 29. Juli 1586 erstmals verhört. Es finden sich keine Hinweise darauf, dass seine Antworten im ersten Verhör durch Folter, außer durch psychischen Druck, erzwungen wurden. Die Antworten entsprachen jedoch nicht den Erwartungen seiner Peiniger. Daher wurde ein zweiter und dritter Verhörtermin anberaumt. Diese Befragungen erfolgten "in Güte, doch ernstlich", d.h. der Scharfrichter war dabei, zeigte dem Hirten seine Folterinstrumente und veranschaulichte deren Anwendung. Diese Drohung sollte den Verhörten gesprächsfreudiger machen und ein Geständnis erzwingen.

Stöcklin war zum Zeitpunkt seiner Verhaftung 37 Jahre alt und mit Anna Berchtoldin aus Oberstdorf verheiratet. Der Vater des Verdächtigten war blind und lebte im Spital in Sonthofen. Insgesamt hatte der Hirte sieben Kinder. Eines ist bereits bei der Geburt gestorben, vier starben später in jungen Jahren, so dass nur noch zwei Kinder am Leben waren.

Er übte wie sein Vater den Beruf des Rosshirten aus. Insgesamt 19 Jahre lang.

In seiner ersten Befragung ohne physische Folter bekannte Konrad Stöcklin, dass er 1578 eine Begegnung mit dem kurz zuvor verstorbenen Oberstdorfer Ochsenhirten Jakob Walch gehabt habe. Dieser sei ihm dann nochmals bei fünf Gelegenheiten erschienen, habe mit ihm gesprochen und ihn auf so genannte Fahrten mitgenommen. Stöcklin habe sich dabei jedoch nichts zu schulden kommen lassen, sondern nur kirchentreue Aufträge erhalten wie nicht zu sündigen, 30 Tausend Ave Maria zu beten und die Heilige Messe zu besuchen. Wahrscheinlich um seine eigene Haut zu retten, denunzierte der Gefangene andere Oberstdorfer: den Sohn des Michael Math, Anna Enzensperger, die eine Hexe sei und der Wirtin zu Oberstdorf eine Krankheit zugefügt habe, die Stiefschwester seiner Mutter Barbara Luzin sei auch eine Hexe und habe eine Kuh von Konrad Bach auf dem Gewissen.

Beim zweiten Verhör, als dem armen Konrad Stöcklin bereits die Folterinstrumente vorgeführt worden waren, bezichtigte er weiter die eigene Mutter postum der Hexerei. In ihrem Auftrag habe er Vieh mit einer braunen Salbe beschmiert, das dann zugrunde gegangen sei. Außerdem sie sie eine Leichenschänderin gewesen.

Fragen der Verhörer, ob er die eigenen Kinder getötet, Inzest mit der eigenen Mutter getrieben oder im Auftrag des Teufels die Hostie nach dem Abendmahl wieder aus dem Mund herausgenommen und mit Füßen getreten habe, verneinte der Gefangene.

Dies ging den Sonthofener Beamten jedoch noch nicht weit genug, weshalb nun Folter angeordnet wurde. Zwei Stunden lang wurde der Gefangene mit "Feuer, Pech und Branntenwein, zu welchem man Pulver zugeworfen, auch mit zwei siedheißen Eiern, welche man ihm unter die Arme gehebt" gefoltert. Er wurde so "hart gemartert, dass ihm von der Scham bis zum Haupt die Haut abgebrennt worden, aber er im wenigsten weiters, denn hiervor angezeigt, nit bekennen noch aussagen wöllen. Als dieweilen er so schwach worden und der Meister vermeint er möchte gar sterben, wie er sich denn bewilligt, dass er willig und geduldig sterben wolle und nit mehr reden künden".

Aus Furcht vor weiterer Folter bestätigte der Gequälte dann nochmals die erpressten Aussagen und äußerte den Wunsch zu sterben. Am Freitag, den 23. Januar 1587, wurde er dann zusammen mit einer Frau ("Bregenzers Grete") auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

(Geschichte des Marktes Oberstdorf von Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Teil 2, 1974)

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