Ferienwohnungen in Oberstdorf im Allgäu

Oberstdorf und der König

Am 13. September 1422 bewilligte König Sigmund Ulrich von Heimenhofen zu Fluhenstein (bei Sonthofen) den Aufbau einer niederen Gerichtsbarkeit in Oberstdorf. So konnten leichte Strafsachen und Geldstreitigkeiten nunmehr direkt in Oberstdorf verhandelt werden. Knapp siebzig Jahre später, am 6. Februar 1495, erhielt Oberstdorf von Kaiser Maximilian das Marktrecht zugesprochen.

Die Marktrechtsurkunde hat den folgenden Wortlaut (Hauptstaatsarchiv in München nach Geschichte des Marktes Oberstdorf von Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Teil 2, 1974):

„Wir Maximilian von gottes gnaden Romischer Kunig Bekennen offennlich mit diesem brief, vnd tun kundt allermenigclich, Das vnns der Erwirdig friderich Bischoue zu Augspurg, vnnser furst Rate vnd lieber andechtiger hat fürbracht, Wie ein dorff im Algew gelegen Obersdorff genannt, Irn vnd seinem Stifft rechtlichen zugehore, darinn Er bisher kein hochgericht gehabt, sunder die so daselbs vmb peinlich sachen in gefengknuss kummen gen Sunthofen oder Roetenberg, da Im vnd dem berurten seinem Stifft die hohengericht zu gehorn, vnd etwas ferrer dauon gelegen gefurt vnd gebracht worden, Daraus Ime vnd den seinen mercklich unnotdurftig Cosst und scheden erwachsen sein, Vnd was darauf diemutigclichen angeruffen, vnd gebeten In vnd dasselb dorff mit den nachberürten gnaden und freyheitten gnedigclichen zu fursehen. Des haben wir angesehen solich sein diemutig zimlich bete, Auch die annemen getrewen vnd nutzlichen dinst, so der genannt vnnser furst von Augspurg uns vnd dem heiligen Reiche offt willigclichen getan hat, vnd hinfür in kunfftig zeyt wol tun mag und soll, Vnd darumb mit wolbedachtem mute, gutem Rate, dem selben Bischof friderichen dise besunder gnad und freyheit getan, vnd Im aus dem berürten Dorff ein Marckt aufzurichten vnd zumachen vnd den mit notdurfftigen gepewen und beuestigungen zu fürsehen, vnd Marcktrecht daselbs zu haben vnd zu gebrauchen, Auch nu hinfur Jerlich ein Jarmarckt auf tag vnd zeyt so Im fuglich sein wirdet, vnd ein wochenmarckt auf einen yeden Montag, Vnd dazu ein halsgericht Stockh vnd Galgen zu erheben vnd zu halten gegonnet, Vnd den pan vber das plut daselbs zu richten, zu lehen gnedigclichen verlihen haben, tun geben gonnen erlauben vnd verleihen Ime solichs alles von Römischer kunigclicher macht, wissentlich in crafft diss briefs, Also das der genannt vnser fürst Bischof Friderich zu Augspurg vnd sein nachkumen, bey dem yeczbestimpten Dorff Obersdorff ein Halsgericht, Stockh vnd Galgen aufrichten, vnd den pan das plut daselbs zurichten, von vnns vnd dem heiligen Reiche in lehens weyse, Innhaben gebrauchen vnd den Erbern tuglichen personen seinen Ambtleuten die Im zu einer yegclichen zeyt darzu tuglich vnd nutzlich sein beduncken, ferrer zu richten, beuelhen sullen vnd mugen. Vnd das alsdann die selben Ir ambtleut nach ubeltetigen verleumbten lewtten, die Sy in dem gemelten dorff Obersdorff vnd seinen Ettern vnd gütern darzu gehörig betretten greiffen, die peinlichen fragen, vnd auf Ir bekantnuss oder offenware handlung nach des heiligen Reichs Recht offennlich straffen, Auch den vorgelten Jarmarckht, auf obbestimpt zeyt vnd tag uben vnd halten, Auch alle die so dieselben Jarmerckt und wochenmerckt mit Irer kaufmanschatz ware, hab vnd gütern, oder in annder wege besuchen, darzu vnd dauon ziehen alle und yegclich gnad freyheit Recht frid gleit schutz schirm vnd gewonheitten haben gebrauchen vnd geniessen sullen vnd mügen, die annder Merckt umb Sy gelegen zu Iren Jarmerckten vnd wochenmerckten, Vnd die personen so darzu vnd dann zihen haben gebrauchen vnd geniessen von Recht oder gewonheit, von allermenigclich vnuerhindert, Doch vnns vnd dem Reiche an unnser Oberkayt, vnd andern Steten Merckten vnnd Dörffern ein meyl wegs umb dasselb Dorff Obersdorff gelegen an Iren Jarmerckten und wochenmerckten, vnd sunst menigclich an seinen Rechten vnuergriffenlich vnd unschedlich Der obgemelt Bischof friderich soll auch darauf zwischen dato diss briefs und pfingsten schirstkunfftig dem Erwirdigen vnnserm vnd des Reichs fürsten vnd lieben Andechtigen Johannsen Abbte des Gotzhauss kempten an vnnser stat vnd in vnnserm namen von solichs wegen gewondlich glubg und Eyde tun, als dann Er vnd sein nachkumen furter von Iren Ambtleuten, den Sy denselben pan beuelhen werden, desgleichen auch nemen sullen, mit solichem pan zu richten, zu hanndeln vnd zu uolfüren, als gleich unpartheysch Richter gegen dem Reichen als dem Armen vnd dem Armen als dem Reichen, vnd darinn nit anzusehen, lieb, leyd, miet, gab, gunst, forcht, fruntschafft noch veindtschafft, noch gantz kein ander sachen, sunder allen gerechts gericht vnd recht als sich gebürt, vnd Sy gegen dem Almechtigen an dem Jungsten gericht zu uerantwurten wissen, getrewlich und ungeuerlich, Vnd gepietten darauf allen vnd yegclichen Curfürsten fürsten, geistlichen vnd weltlichen Prelaten Grauen freyen, Herrn Rittern knechten Haubtleuten, Vitzthumben Landuogten, Vogten, pflegern verwesren Schulttheissen Burgermeistern Richtern Reten Burgern vnnd gemeinden, vnd sunst allen anndern vnnsern vnd des Reichs undertanen vnd getrewen, in was wirden stattes oder wesens die sein, ernstlich und wellen, Das Sy den genanten vnnsern fürsten von Augspurg, sein nachkummen vnd Stifft daselbs an den vorberürten gnaden freyheitten, gonnung und Lehenschafft nit Irren noch verhindern, sunder Sy vnd das egemelt Dorff Obersdorff dabey bleiben, vnd der gerulich gebrauchen und geniessen lassen vnd hiewider nicht tun, noch yemand anndern zu tund gestatten in dhein weyse, Als lieb einem yeglichen sey vnnser vnd des reichs ungnad und straffe, vnd darzu ein pene, Nemlich zweintzigk Marckh Löttigs goldes zu uermeyden, die ein yeder, so offt Er freuenlich hiewider tette, Vnns halb in vnnser vnd des Reichs Camer, vnd den anndern halbentail dem egenanten Bischoff Friderichen zu Augspurg, vnd seinen nachkummen, unableslich zu bezalen verfallen sein soll, Mit urkund diss briefs besigelt mit vnnserm kuniglichen anhangendem Insigel. Geben zu Predaw am Sechsten tag des monats februarii, Nach Cristi geburt Vierczehenhundert, vnd Im funfundneuntzigisten, Vnnser Reiche des Romischen Im neundten, vnd des Hungrischen Im funfften Jaren. Ad mandatum domini regis proprium bertoldus archiepiscopus moguntinenis archicancellarius subscripsit.“

Übersetzungsversuch

"Wir Maximilian Römischer König von Gottes Gnaden veröffentlichen hiermit, dass der ehrwürdige Bischof Friedrich zu Augsburg, unser Fürst, Ratgeber und Freund uns auf ein Dorf im Allgäu mit dem Namen Oberstdorf hingewiesen hat. Es handelt sich um den rechtmäßigen Besitz des Bischofs und seines Stifts. Dort gibt es bislang kein Hochgericht, so dass Gefangene in Strafsachen weiter weg nach Sonthofen oder Rettenberg gebracht werden, wo ein Hochgericht tagt. Daraus entstehen dem Bischof große und unnötige Kosten sowie Nachteile. Er hat hat uns daher demütig angerufen und gebeten, ihn und sein Dorf mit den folgenden Gnaden und Freiheiten gnädiglich auszustatten.

Wir haben über diese demütige Bitte nachgedacht und auch in Betracht gezogen, dass unser Fürst von Augsburg uns und dem Heiligen Reich oft treu und uneigennützig freiwillig gedient hat und dies auch in Zukunft weiterhin tun soll. Und daher haben wir wohl bedacht und nach gründlicher Beratung erlaubt, in dem genannten Dorf einen Markt zu errichten, die notwendigen Gebäude und Befestigungen zu errichten sowie das Marktrecht auszuüben. Auch ein jährlicher Jahrmarkt zu einem von ihm bestimmten Zeitpunkt sowie ein Wochentag Montags werden genehmigt. Ebenso wird ein Halsgericht sowie Stock und Galgen genehmigt. Kraft dieses Schreibens verleihen wir ihm aufgrund unserer königlichen römischen Macht das Recht, Hinrichtungen vorzunehmen.

Der genannte Fürst Bischof Friedrich und seine Nachkommen dürfen kraft Erlaubnis des heiligen Reiches in dem genannten Dorf Oberstdorf ein Halsgericht, Stock und Galgen einrichten und Todesurteile vollstrecken. Ehrliche und tugendhafte Beamte, die ihm kompetent und nützlich erscheinen, sollen urteilen und die Leitung innehaben. Diese Beamten sollen Gewalttäter und Menschen mit schlechtem Ruf, die sie in Oberstdorf und seinen Gütern vorfinden, verhaften, foltern und aufgrund ihres Geständnis oder der Beweislage nach Recht des Heiligen Reiches öffentlich bestrafen.

Auch sollen sie den genannten Jahrmarkt auf unbestimmte Zeit ausüben und halten. Alle, die den Jahrmarkt und Wochenmarkt mit ihren Waren, Hab und Gut oder sonstigem besuchen, sollen unter Gnade, Freiheit, Recht, Frieden und Geleitschutz stehen. Es sollen die gleichen Regeln gelten wie für andere Jahr- und Wochenmärkte in der Umgebung. Die Besucher haben dieselben Rechte wie anderswo auch. Die Obrigkeit des Reiches sowie andere Städte, Märkte und Dörfer außerhalb eines Umkreises von einer Meile um Oberstdorf, die ebenfalls Jahr- und Wochenmärkte abhalten, müssen diese Rechte dulden.

Bischof Friedrich soll in der Zeit zwischen dem Datum dieses Schreibens und dem folgenden Pfingstfest gegenüber dem Reichsfürsten und Freund Abt Johann als unserem Stellvertreter den Eid ablegen, dass er und seine Nachkommen sowie seine Beamten, die Todesurteile fällen und vollstrecken sollen, unparteiische Richter sein werden, die Arme und Reiche gleich behandeln. Diese dürfen bei ihrer Rechtssprechung ebenfalls keine Rücksicht auf Sympathien, Leid, Gunst, Furcht, Freundschaft, Feindschaft und sonstiges nehmen. Sie sollen nur gerecht und rechtmäßig urteilen, so wie sie es gegenüber Gott beim Jüngsten Gericht verantworten können. Daran sollen sich auch sämtliche Kurfürsten, Fürsten, geistliche und weltliche Obrigkeiten, Ritter, Knechte, Hauptleute, Landvögte, Vögte, Bürgermeister, Richter, Räte, Bürger und Gemeinden halten sowie alle Untertanen und Diener des Reiches, unabhängig davon, in wessen Auftrag sie handeln.

Diese dürfen unserem Fürsten von Augsburg, seinen Nachkommen und seinem Stift die oben erwähnten Gnaden, Zugeständnisse und Freiheiten nicht streitig machen. Sie sollen vielmehr das Dorf Oberstdorf diese Rechte ausüben lassen und nichts dagegen unternehmen oder andere dies tun lassen. Wer dem zuwider handelt, fällt in unsere und des Reiches Ungnade und zahlt auf jeden Fall 20 Mark reinen Goldes, hälftig an uns und das Reich, hälftig an den genannten Bischof Friedrich von Ausgburg, für jede Zuwiderhandlung. Dieses Schreiben wird mit dem königlichen Siegel versehen. Ausgestellt in Breda am 6. Februar 1495. Im Auftrag des Königs unterschrieben vom Erzkanzler und Erzbischof von Mainz Bertold.

ALPENLAND
Im Haslach 5
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